Thelma 2017 Filmposter

Thelma

Mit den beschwingten wie melancholischen Nouvelle Vague-Hommagen “Reprise” und “Oslo, 31. August” hat sich der junge Norweger Joachim Trier als einer der aufregendsten europäischen Autorenfilmer profilieren können. Sein internationaler Durchbruch mit “Louder than Bombs” zeugte erneut von einer besonderen Fähigkeit, Bilder für die Seelenzustände seiner in Sprachlosigkeit gefangenen Protagonisten zu finden. Dieses psychologische Feingefühl trägt auch “Thelma”, der darüber hinaus als metaphysischer Thriller mit doppeltem Boden überzeugt.

Die Ausgangshandlung erinnert zunächst an Hans-Christian Schmids sensibles Psychodrama “Requiem” oder auch “Der Exorzismus der Emily Rose”. Doch die Geschichte um den Versuch einer adoleszenten Loslösung von den streng-religiösen Eltern nimmt hier noch einen anderen Verlauf. Die junge Studentin Thelma wird in der Großstadt nicht nur von den üblichen Versuchungen geplagt, sie verliebt sich in eine Kommilitonin. Und plötzlich spielt ihr Körper auf vielen Ebenen verrückt.

Trier gelingt eine Reflexion über den Fundamentalismus wie auch die Sexualfeindlichkeit patriarchaler Gesellschaften und findet dabei betörend schöne Bilder, die nicht nur eine eigene Sogwirkung entfalten, sondern auch sehr genau in die familiären Konstellationen eintauchen. Dabei nutzt er gekonnt Elemente des Unheimlichen und verschiebt das Coming-of-Age-Genre in Richtung Psychothriller. Eine große Empfehlung!

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