Wackersdorf

AWARDS: Filmfest München 2018

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Wackersdorf - 2018 Filmposter

Heutzutage weiß man nur zu gut um die Risiken, die der Bau einer Wiederaufbereitungsanlage von Kernbrennstoffen mit sich bringt. 1985 befand man sich dagegen noch kurz vor dem ersten großen Super-GAU in der Menschheitsgeschichte und hatte die möglichen Folgen eines Atomunglücks massiv unterschätzt. Die bayerische Gemeinde Wackersdorf wurde in genau dieser Zeit zum Sinnbild aufkeimender Beunruhigung, als sich eine ganze Dorfgemeinschaft gegen den Bau eines solchen Betriebsgeländes engagierte und sich nicht zuletzt aufgrund der Tschernobyl-Katastrophe ein Jahr nach Baubeginn gegen die Pläne durchsetzen konnte. Regisseur Oliver Haffner errichtet diesen Bürgern nun ein filmisches Denkmal, das seine Premiere auf dem Filmfest in München feiert.

Die Oberpfalz in den Achtzigerjahren: In der kleinen Gemeinde Wackersdorf im Landkreis Schwandorf geht alles seinen gewohnten Gang, bis die bayerische Staatsregierung die Pläne für eine Wiederaufbereitungsanlage für Kernbrennstoffe aufnimmt. Damit die Bürger diesen einschneidenden Schritt fraglos über sich ergehen lassen, versuchen die Verantwortlichen vor allem den Landrat Hans Schuirer (Johannes Zeiler) auf ihre Seite zu ziehen und schmieren ihm deshalb ordentlich Honig ums Maul. Doch unter den Bürgern regen sich erste Widerstände, die auch an Schuirer nicht spurlos vorbeigehen. Sogar innerhalb seiner eigenen Familie kommen Fragen dazu auf, ob die Politiker ihnen grundsätzliche Risiken nicht einfach verschweigen würden. Vor allem seinen Kindern und einem engagierten Lehrer gelingt es, gezielt Zweifel am WAA-Vorhaben zu streuen, bis auch Schuirer schließlich Widersprüche in den Versprechen seiner Vorgesetzten entdeckt. Er beschließt, sich den Protesten seiner Bürger anzuschließen und stößt dabei auch auf Widerstände aus den eigenen Reihen, bis sich im viele hundert Kilometer entfernten Tschernobyl plötzlich der ultimative Super-GAU ereignet…

In „Wackersdorf“ schildert Regisseur Oliver Haffner („Ein Geschenk der Götter“) einen der ersten, auf der Frage „Atomkraft ja oder nein?“ basierenden Konflikte zwischen Bürgern und der deutschen Regierung. Der Mitte der Achtzigerjahre ausgetragene Streit endete damals zu Gunsten der Wackersdorfer, das eigentliche Thema wird allerdings so lange aktuell und präsent sein, bis es hierzulande zum Atomausstieg kommt. Nach „WAAhnsinn – Der Wackersdorffilm“ aus dem Jahr 1986 ist das bereits die zweite Spielfilmproduktion rund um den Widerstand in der Oberpfalz, den Oliver Haffner betont nüchtern und trotzdem mit der ständigen Betonung auf die ernsten Umstände der Prämisse inszeniert.  In „Wackersdorf“ konzentriert sich alles auf die politischen Aspekte der Geschichte, während die persönlichen Belange der Charaktere weitgehend unberücksichtigt bleiben. Es gibt keine Lovestory, keine innerfamiliären Konflikte – stattdessen steht ganz allein das politische Engagement des Protagonisten Hans Schuirer im Fokus, das nur sehr vereinzelt vom moralischen Dilemma des Mannes emotional unterfüttert wird; immerhin ist er zunächst noch selbst von den WAA-Plänen überzeugt, bis sich ganz langsam die Erkenntnis einstellt, die Pläne der Regierung auch als Mitglied derselben zu hinterfragen.