„Was haben wir eigentlich für eine Scheiß-Geschichte?“

Am 17.10.2026 besuchte uns Regisseur Volker Schlöndorff im Atelier, um seinen neuen Film HEIMSUCHUNG vorzustellen. Nach dem Film erklärte er zunächst, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, angesichts der aktuellen politischen Entwicklung, die deutsche Geschichte auf die Leinwand zu bringen: „Sowas Didaktisches liegt mir ja eigentlich fern.“

Vielmehr war es – wie so oft – einfach das Buch gewesen, das ihn faszinierte und bei dem er sich nach dem zweiten Lesen fragte, „ob man es nicht doch verfilmen kann.“ Für ihn steht fest, dass „ein Buch völlig anders funktioniert als ein Film,“ und bei der Verfilmung geht es ihm überhaupt nicht um Werktreue – zumindest nicht der Vorlage gegenüber: „Meinen Film soll man nicht mit dem Buch vergleichen, sondern mit anderen Filmen. Er muss als Film funktionieren.“

Doch der Intention des Autors möchte er in jedem Fall gerecht werden. So arbeitete er auch hier eng mit Autorin Jenny Erpenbeck zusammen, legte ihr seinen ersten Drehbuchentwurf vor und war erleichtert, als auch sie überrascht feststellte, dass ihre Geschichte, anders als im Buch, auch chronologisch funktioniert: „Sie meinte, da hätte sie sich die ganze Arbeit mit dem Verschachteln ja fast sparen können.“

Das Buch hatte Schlöndorff unter anderem deshalb so begeistert, weil der mittlerweile 87-Jährige inzwischen selber auf fast das ganze darin abgedeckte Jahrhundert zurückblicken kann und ihm viele darin erzählte Umstände vertraut sind. Dennoch war er überrascht, dass ihn am Ende der eigene Film bei der ersten Sichtung im Rohschnitt plötzlich auch emotional sehr berührte, und erklärte auch im Atelier noch sichtlich bewegt: „Normalerweise habe ich auf mein eigenes Schaffen einen eher nüchternen Blick. Aber da dachte ich plötzlich: Was haben wir eigentlich für eine Scheiß-Geschichte?“

Zum Schluss betonte er die Wichtigkeit des Kinos als Ort des gemeinsamen Kulturerlebens „wie im Theater oder bei einem Konzert“ und versprach, bereits am nächsten Film zu arbeiten: „Natürlich wieder eine Literaturverfilmung.“