Bitte beachten Sie die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen in unseren Kinos Hinweise

Die 72. Filmfestspiele von Cannes: Ein Festivalbericht

Die Filmfestspiele in Cannes eröffneten in diesem Jahr mit Jim Jarmuschs neuem Film THE DEAD DON’T DIE (UPI), einer Genre-Parodie, wie es schon sein letzter ONLY LOVERS LEFT ALIVE war. Doch diesmal sind es keine Vampire, sondern Zombies, die er erwachen lässt und damit nicht nur George Romeros THE LIVING DEAD seine Reminiszenz erweist, sondern dem gesamten Genre, wie auch dem Film an sich und seinen großartigen Schauspielern. Dass Jim Jarmusch im kommerziellen Umfeld von ROCKETMAN und ONCE UPON A TIME… IN HOLLYWOOD die Ehre hatte, das Festival zu eröffnen, mag wohl an seinem illustren Cast gelegen haben, ist aber auch ein klares Statement für die Filmkunst.

The Dead Don´t Die - 2019

The Dead Don´t Die – 2019

Denn so trashig das Thema auch sein mag, der Film ist es nicht. Beinahe liebevoll stellt uns Jarmusch den Ort des Geschehens, das kleine Städtchen Centerville und seine Bewohner vor: zum Beispiel einen Farmer, gespielt von Steve Buscemi, der ein Käppi mit der Aufschrift *Make America white again” trägt. In einem kleinen Polizeiwagen, auf dem groß die Ziffern 001 zu lesen ist (natürlich ist es das einzige Einsatzfahrzeug in diesem Dorf), lässt er Sheriff Cliff Robertson (Bill Murray), Deputy Ronald Peterson (Adam Driver) und ihre Kollegin Mindy (Chloe Sevigny) von Einsatz zu Einsatz fahren. Denn es stimmt was nicht in dem ansonsten so verschlafenen Nest. Zuerst spielen die Uhren verrückt, dann verhalten sich die Tiere merkwürdig, und als dann noch zu ungewöhnlicher Zeit die Dunkelheit einbricht, verlassen die Toten ihre Gräber. Bald wird klar, dass man sie nur töten kann, indem man sie ihres Kopfes beraubt. Die Bestatterin Zelda Winston (Tilda Swinton) beweist darin besonders viel Geschick: Sie zieht herum mit einem scharfen Schwert, wie einst Uma Thurman in KILL BILL und hinterlässt quasi im Vorbeigehen zahllose kopflose Kreaturen. Platter geht es da schon bei den Polizisten zu, die mit Pistole und Gewehr Köpfe platzen lassen wie Tontauben. Doch ein wahres Vergnügen ist das nicht, stehen die Ordnungshüter doch Wesen gegenüber, die sie zu Lebzeiten gekannt, ja zum Teil sogar selbst beerdigt haben. Aus diesem Déjà-vu macht sich Jarmusch einen Spaß, in dem er die Untoten mit lauter bekannten Darstellern besetzt, die auch dem Zuschauer ein ungewöhnliches Wiedersehen mit Stars wie Iggy Pop, Danny Glover, Caleb Landry Jones, Rosie Perez und vielen anderen beschert.

So zitiert sich Jarmusch quer durch die Filmgeschichte, und dabei gelingen ihm immer wieder Bilder voller Witz und Poesie, etwa wenn die Untoten mit leuchtendem Handy auf der Suche nach WiFi im dunklen Wald umherirren. Und wenn am Ende das Happy End ausbleibt und sich die Süddeutsche Zeitung fragte, was das Ganze denn sollte, kann man auf dezent gestreute politische Andeutungen  hinweisen, die andeuten mögen, dass uns die Sünden der Vergangenheit immer einholen werden, spätestens am Jüngsten Tag, wenn auch vorerst nur im Kino.

Les Misérables - 2019

Les Misérables – 2019

Es gab einen weiteren Film im Wettbewerb, wo drei Polizisten mit außergewöhnlichen Zuständen konfrontiert sind. In Ladj Lys Erstlingwerk LES MISÉRABLES (Alamode) sind es drei Cops von der Anti-Kriminalitäts-Brigade, die versuchen, ihren Bezirk irgendwo in der Banlieue vor Paris sauber zu halten oder zumindest das Schlimmste zu verhindern. Dort hat sich längst eine Parallelwelt gebildet, die sich selbst um Recht und Ordnung kümmert. Probleme gibt es immer dann, wenn unterschiedliche Ethnien aneinandergeraten oder die Polizei eingreifen will. Widerstand gegen die Staatsgewalt ist hier kein Verbrechen, sondern bürgerliche Pflicht. Das erfahren die Polizisten, als sie in einem Streit zwischen Roma und Muslimen vermitteln wollen, der entstand, weil dem Zirkus ein Löwenbaby gestohlen wurde. Die Ermittlungen der Polizisten führen sie tief in die muslimische Gemeinschaft, wo sie auf gewaltbereite Jugendliche treffen, die generell mit Autoritäten ein Problem haben. Aber auch die Polizisten schießen in ihrem alltäglichen Kampf um Respekt und Anerkennung beinahe zwangsläufig über das Ziel hinaus. Als am Ende ein Junge verletzt wird, gibt es ein Video, was das Geschehen dokumentiert hat. Fortan gilt das erste Interesse der Polizisten nicht mehr dem Löwenbaby, sondern diesem Video. Eine Verfolgungsjagd beginnt, die uns immer tiefer in den Dschungel dieser Community und ihrer undurchsichtigen Macht-Hierarchie führt.

Ly, der für sein Erstlingswerk den Jury-Preis erhielt, gelingt es Spannungsbogen und Tempo beinahe beliebig anzuziehen, so dass selbst der Zuschauer droht, außer Atem zu kommen. Dabei kann er offenlegen, dass es hier kaum noch Recht und Unrecht gibt. Alle Beteiligten sind Opfer eines Systems, das seine zivilisatorischen Wurzeln längst verloren hat. Wenn am Ende der Diebstahl des Löwenbabys aufgeklärt und das Video sichergestellt sind, ist die öffentliche Ordnung aber immer noch nicht wiederhergestellt. Die Jugendlichen rebellieren nicht nur gegen die Polizeigewalt, sondern auch gegen die Machtstrukturen im eigenen Viertel und das mit einer Brutalität, die tatsächlich an Victor Hugos Straßenkämpfe in ‘Les Misérables’ erinnert. So endet der Film dann auch mit einem Zitat von Hugo: “Es gibt keine schlechten Menschen oder Pflanzen, es gibt nur schlechte Gärtner.”

Festivalleiter Thierry Fremaux hat in der Auswahl der Filme für den Wettbewerb wie immer auf bekannte Namen gesetzt, ihnen aber erstaunlich viele Erstlingswerke und Filme junger Regisseure und endlich auch mal Regisseurinnen gegenübergestellt. Und tatsächlich konnten die Newcomer punkten, mit einem jungen frischen Kino, das auch einmal etwas wagt, während die alten Bekannten auf zugegeben hohem Niveau stagnierten.

Sorry We Missed You - 2019

Sorry We Missed You – 2019

So zum Beispiel bei Ken Loach, der mit SORRY WE MISSED YOU wieder eine seiner typischen Arbeitergeschichten vorlegte. Mit denen hat er sich einst einen Namen gemacht. Damals gesellte sich zu seiner Beschreibung unhaltbarer Arbeitsbedingungen der Humor der Arbeiter, die sich aus jeder noch so prekären Situation mit Witz, Willenskraft, Solidarität und notfalls am eigenen Schopf herausziehen konnten. Dieser Humor ist ihm bereits vor einigen Filmen abhanden gekommen und jetzt – so scheint es – auch noch die Solidarität. Dies mag verständlich sein, spielt doch der Film zu Zeiten des Neoliberalismus in der Paketbranche. Hier muss sich Ricky erst einmal verschulden und einen Sprinter leasen, um an einen der begehrten Franchiseverträge zu kommen, die ihm zwar viele Pflichten auferlegen, aber nur wenig Verdienstmöglichkeiten eröffnen. Ein Gewerkschafter kommt im ganzen Film nicht vor, und aus den Kollegen sind längst Konkurrenten geworden. Alle kämpfen sie ums Überleben und nutzen gerne mal die Schwäche des anderen aus, Solidarität kann sich hier niemand leisten.

Ken Loach schildert diese neue Arbeitswelt wie immer ausgesprochen akkurat und glaubwürdig, ja beinahe dokumentarisch, und niemand wird ihm vorwerfen, dass er nicht bei der Wahrheit bleibt, aber übers Ziel schießt er dennoch hinaus: Denn Ricky opfert für seinen Job alles und setzt nicht nur seine Gesundheit, sondern auch Freizeit, Familie und Freundschaften aufs Spiel und bleibt dennoch immer auf der Verlierer-Spur. Wie der Film, kriegt er einfach nicht die Kurve, nur seine Frau bringt es am Ende auf den Punkt, wenn sie in einer Wutrede zusammenfasst, was dieses System den Menschen antut. ‘The Guardian’  feierte den Film als berührendes Meisterwerk, andere sahen ihn nüchterner, als Wiederholung alter Themen, die nur immer prekärer werden. Irgendwie ist Ken Loach in der Schilderung der britischen Arbeitswelt am Boden angekommen und da kann es einfach nicht noch tiefer abwärts gehen.

Young Ahmed - 2019

Young Ahmed – 2019

Noch weniger überzeugend war YOUNG AHMED von den Brüdern Dardenne, die damit zum achten Male im Wettbewerb antraten und einen weiteren Rekordversuch auf ihre dritte Goldenen Palme starteten. Ähnlich wie Ken Loach variieren sie immer wieder das gleiche Thema und gelten in Europa als Seismograph für soziale Zustände und Erschütterungen. In der Regel exemplifizieren sie diese anhand von Jugendlichen, die vom System vergessen wurden oder einfach nicht hineinpassen wollen. So auch Ahmed, ein 13-jähriger belgischer Junge, der sich mit Hilfe seines Imams radikalisiert hat und den Koran so auslegt, dass er meint, seine Lehrerin umbringen zu müssen. Das Attentat geht schief, und Ahmed muss in einer betreuten Gruppe Sozialarbeit leisten. In diesem neuen Umfeld kommt er mit weiteren Versuchungen des Lebens in Berührung, die ihn immer wieder mit seinem Glauben in Konflikt bringen.

Zwar machen die Dardennes hier ein spannendes und aktuelles Thema auf, doch ihnen gelingt es nicht, den wesentlich Fragen, die sie aufwerfen, näher zu kommen. So ist Ahmeds Radikalisierung nicht nachvollziehbar, zumal der Einfluss des im Film eher blassen Imams es mit einer ihn fördernden Lehrerin und seiner liebevollen Mutter aufnehmen muss. Wenn dieser Kampf verloren geht, weil das Leben nun mal nicht immer rational verläuft, hätte vielleicht noch interessiert, wie unsere Sozialsysteme auf solche Fälle reagieren. Doch die Dardennes umschiffen das Thema und enden mit einer höchst wundersamen Bekehrung. Dass ihnen das auch noch den Regie-Preis einbrachte ist ziemlich unverständlich, da war auf der Berlinale zum gleichen Thema der Film ORAY in den Perspektiven zu sehen, der tatsächlich interessante und noch nicht gesehene Einblicke hinter die Mauern einer Moschee bietet. Er läuft derzeit in unseren Kinos.

Once Upon A Time in Hollywood - 2019

Once Upon A Time in Hollywood – 2019

Der am meisten erwartete Film an der Croisette versuchte eine (wie immer kontrafaktische) Geschichte Hollywoods zur Hippie-Zeit zu schreiben und dabei die Manson Morde ins Zentrum zu stellen: Quentin Tarantinos Rückkehr nach Cannes, die fast auf den Tag genau 25 Jahre nach der Premiere von “Pulp Fiction” gefeiert wurde, konnte jedoch die hohen Erwartungen nicht ganz einlösen. Das kann auch damit zusammenhängen, dass Tarantino bis zum Schluss im Schnittraum saß und es lange nicht klar war, ob der Film in einer finalen Fassung vorliegen wird. Fast drei Stunden dauerte ONCE UPON A TIME… IN HOLLYWOOD (Sony) schließlich, aber nur wenige bekamen die Möglichkeit ihn zu sehen, da Tarantino auf Verknappung setzte und nur ein einziges Wiederholungs-Screening angesetzt wurde, was zu Tumulten bei der Premiere führte, als über 100 Zuschauer trotz Karten nicht mehr in den Saal kamen.

Leonardo DiCaprio und Brad Pitt spielen die Hauptrollen als Rick Dalton und Cliff Booth – ein abgehalfterter TV-Star und sein Stunt Double. Die großen Studios befinden sich im Niedergang, das Autorenkino des New Hollywood beginnt langsam sich zu formieren, die meisten Zuschauer greift allerdings das Fernsehen mit Western und Krimiserien ab. Da Dalton wegen Trunkenheit am Steuer seinen Führerschein abgenommen bekommen hat, muss sein Buddy Booth ihn durch LA kutschieren und hin und wieder auch Mädchen für alles spielen. Da der lässige Lebemann aber wenig braucht, um sich frei und glücklich zu fühlen, bleibt er im Gegensatz zu seinem verzweifelten Freund grundentspannt.

Es ist vor allem das großartige Zusammenspiel von Pitt und DiCaprio, das den gesamten Film trägt und für einige Komik sorgt. Den beiden dabei zuzusehen, wie sie mit dem Auto durch die legendären Orte LAs fahren und dabei ein wie immer grandioser Soundtrack läuft, macht Spaß und steckt voller filmhistorischer Anspielungen und Querverweise. Man begegnet Bruce Lee, bewegt sich durch den “Musso & Frank Grill”, der dieses Jahr sein hundertstes Jubiläum feiert, und bekommt Einblick in den Filmdreh eines Spaghetti-Westerns. Im Gegensatz zu PULP FICTION, wo jede Szene mit großer Kunstfertigkeit einen neuen Faden in die Gesamtheit des Plots einwebte, zerfasert ONCE UPON A TIME… IN HOLLYWOOD allerdings etwas. Zu oft bekommt man das Gefühl, dass Pointen nicht zünden und Dialoge nicht so kultig rüberkommen, wie sie es gerne wären. Tarantino scheint selbst noch nicht ganz zufrieden zu sein und kündigte an, eine neue Fassung zu schneiden, bevor der Film dann auch in unseren Kinos startet. Für die “Palm Dog” hat es allerdings gereicht: Brad Pitts charismatischer Pittbull Brandy wurde als bester Filmhund ausgezeichnet.

Matthias & Maxime - 2019

Matthias & Maxime – 2019

Gemischt wurde auch der neue Film von Xavier Dolan aufgenommen, dessen letzte Arbeit “The Death and Life of John F. Donovan” so scheiterte, dass er gar keinen deutschen Verleih fand. Mit MATTHIAS ET MAXIME stellte er diesmal unter Beweis, dass er noch immer ein Händchen für die Inszenierung von interessanten Charakteren hat, von denen er gleich selbst einen spielt. Zwei Jugendfreunde befinden sich im Film in einer Umbruchsituation: Der junge Maxime (Dolan) will endlich seine kaputte Familie hinter sich lassen und zum Work and Travel nach Australien aufbrechen. Dabei geht seinem besten Freund Matthias immer mehr auf, wie viel ihm die Beziehung bedeutet. Bei einem Kurzfilmdreh sollen die beiden spontan einspringen und sich in einer Szene küssen. Was eher als jugendlicher Spaß beginnt, löst jedoch eine Welle unerwarteter Gefühle aus. Dolan gelingt es hervorragend zu zeigen, dass Liebe und Erotik nicht immer in Kategorien wie “homo” und “hetero” aufgehen. Es geht daher weniger um ein finales Coming Out, als um die Erforschung einer bedeutsamen Beziehung, die sich nicht in einer Freundschaft erschöpft. Ebenso wie Tarantino bräuchte Dolan allerdings eine neue Schnittfassung, da auch hier sehr viel unnötige Dialoge die Kraft des Films etwas schmälern.

Zu einem großen Favoriten gehörte der neue Film von Pedro Almodóvar, mit dem er wieder zur Hochform zurückkehrt, auch wenn LEID UND HERRLICHKEIT (StudioCanal) selbst eigentlich ein wehmütiger Rückblick auf sein eigenes Leben als Künstler ist. Doch Almodóvar inszeniert dies nicht bruchlos als Autobiografie, sondern über eine ganze Reihe von Stellvertreterfiguren, die die Erinnerungen und Gefühle des Regisseurs durchleben und zum Ausdruck bringen. In erster Linie geschieht das durch Antonio Banderas, der den alternden Filmemacher Salvador Mallo spielt – und für seine grandiose Performance zu Recht mit dem Preis Für Den Besten Darsteller ausgezeichnet wurde. In dessen Leben, das mittlerweile hauptsächlich von körperlichen Gebrechen geprägt ist, zerfließen durch die Schmerzmittel Vergangenheit und Gegenwart zu einem Bewusstseinsstrom. Eine Retrospektive seines Frühwerks gibt ihm die Gelegenheit alte Lieben und Weggefährten aufzusuchen und sich noch einmal auf die Spur dessen zu begeben, was ihn künstlerisch und persönlich geprägt hat. Das ist nicht nur hochemotional und auf formaler Ebene originell inszeniert, wie immer bestechen auch die verschiedenen Settings der Szenen mit ihren leuchtenden Farben und der für Almodóvar so typischen Gestaltung.

Der Verräter - 2019

Der Verräter – 2019

Nicht eine, sondern beinahe zweieinhalb (140 Min.) Geschichtsstunden liefert Marco Bellocchio mit seinem Film DER VERRÄTER (Pandora), einer italienisch-französisch-deutschen Koproduktion. Er geht zurück in die 1980er Jahre, wo der Richter Giovanni Falzone die halbe Mafia vor Gericht stellte und der Cosa Nostra das Handwerk legte. Grundlage für seine Anklage war das umfassende Geständnis von Tommaso Buscetta, dem ersten hochrangigen italienischen Mafiaboss, der den Schweigeeid der sizilianischen Mafia brach. Vorausgegangen war ein blutiger Bandenkrieg, der beinahe 1000 Tote forderte und bei dem Buscetta nicht nur seine Söhne verloren hatte, sondern auch selbst als nächster auf der Todesliste stand. Er flieht nach Brasilien, wird verhaftet, gefoltert und nach Italien ausgeliefert, wo er unter Zeugenschutz aussagt.

Bellocchio erzählt diese Geschichte, die seiner Zeit auch in Deutschland Furore machte, mit Akribi und Akkuratesse. Er nimmt sich die Zeit, die er braucht, um die vielen Handelnden einzuführen und ihre Verknüpfung miteinander zu beleuchten. So entsteht ein Netz von kriminellen Machtstrukturen, die auch nicht vor der Politik und der Justiz halt machen. Wenn am Ende hunderte von Mafiosi einsitzen, ist der Film noch lange nicht zu Ende, denn Falzone will auch die Politiker zur Verantwortung ziehen und macht Ministerpräsident Andreotti den Prozess. Doch an dem beissen sich die beiden die Zähne aus, Falzone stirbt bei einem Anschlag mit einer Autobombe, während Buscetta im Zeugenschutz alt werden darf, doch ruhig schlafen konnte er nie mehr.

Ein verborgenes Leben - 2019

Ein verborgenes Leben – 2019

Dem Anti-Helden in DER VERRÄTER steht der unbekannte Held in EIN VERBORGENES LEBEN (Pandora) diametral gegenüber. Der mit Spannung erwartete neue Film von Terrence Malick stellt den österreichischen Bauer Franz Jägerstätter in den Mittelpunkt, der sich standhaft weigerte, für die deutsche Wehrmacht zu kämpfen und dafür von den Nazis ermordet wurde. Getragen von seinem Glauben und der Liebe zu seiner Frau Fani und den Kindern blieb er, selbst im Angesicht der Hinrichtung, bis zuletzt überzeugt von der Freiheit des Willens. Insgesamt macht Malick aus einer kargen Geschichte ein großes Epos, das er mit Tragik und Emotionalität zu füllen versucht. Dabei bleibt er seinem typischen Stil treu, liefert meditative ruhige, teilweise archaische Bilder, in denen der Zuschauer sich verlieren kann. Auch hat man gelegentlich den Eindruck, dass er seinen deutschen Hauptdarsteller August Diehl zu einem Nachfolger von Daniel Day Lewis aufbauen will. Mit zurück gegelten Haaren und den Kopf auf den Ellenbogen gestützt, spielt er einen beinahe stoischen Mann, der mehr durch Nachdenklichkeit als Action auffällt. Gelegentlich wirkt der Film etwas amerikanisch, was von der internationalen Sprachfassung begünstigt wird. Denn die ist nicht immer ganz sauber und wechselt von mehreren Off-Sprechern zu englischsprachigen Dialogen, aber deutschsprachigen Gefühlsausbrüchen. Ein Problem, das sich bei der Synchronisation ausmerzen lässt.