Die Filmreihe

Erster Weltkrieg

Vorführungen

2017 waren im Fernsehen etliche Reportagen und Dokumentarfilme zu sehen, die anlässlich des Beginns des 1. Weltkrieges vor hundert Jahren ausgestrahlt wurden. Im letzten Jahr feierten wir dann zusammen mit dem Institut Francais mit einer kleinen Filmreihe den 100. Jahrestag des Endes des 1.Weltkriegs, was in Frankreich ein Feiertag ist und in Deutschland kaum ein Echo fand. Überraschend an dieser Reihe waren die vielen jungen französischen Filmemacher, die sich aktuell immer noch mit diesem Thema auseinandersetzen. Tatsächlich ist gerade die Zeit vor Ausbruch des Krieges interessanter denn je, denn viele Zeichen jener Zeit finden wir auch in der heutigen wieder. So zum Beispiel hadernde Politiker, die nicht recht zu handeln wissen und eine internationale Bevölkerung, die durch Nationalismus, Populismus und Hass geprägt ist. Mag sein, dass dies ein Grund ist, warum sich auch Hollywood immer noch mit diesem Thema beschäftigt. So wird Sam Mendes’ Film “1917”, nachdem er die Golden Globes gewonnen hat, nun auch für den Oscar favorisiert. Dabei nutzt Mendes einen Kunstgriff, der nur selten in der Filmgeschichte zu sehen ist. Sein Film erscheint dem Zuschauer wie in einem Take gedreht als hätte es keinen Schnitt gegeben. Dass man damit ein ganz unerhörtes Tempo erreichen kann, hat zuletzt Sebastian Schipper eindrucksvoll mit “Victoria” gezeigt, doch Mendes geht es noch um etwas anderes: Keine Schnitte bedeutet auch, dass die Kamera immer auf Tuchfühlung mit dem Protagonisten ist, ihn keine Sekunde aus den Augen lässt. Genauso ergeht es dem Zuschauer, der so immer tiefer in das Geschehen hinein gezogen wird. Dabei sind Roger Deakins Bilder ausgefeilt wie immer, was vielleicht seinen zweiten Oscar für die Beste Kamera nach sich ziehen wird. Auch Peter Jackson ist das Fehlen beeindruckender Bilder aus dem 1. Weltkrieg aufgefallen und so hat er mit “They Shall Not Grow Old” BBC-Radio-Interviews mit Soldaten digital bebildert. In einer beeindruckenden Kleinarbeit sind zu den unzähligen Kommentaren der meist blutjungen Zeitzeugen Bilder entstanden, die sowohl die anfängliche Kriegs-Euphorie, das Grauen der Schützengräben als auch die deprimierende Heimkehr visualisieren und den Stimmen der Soldaten wieder ein Gesicht geben. Dass es aber auch ohne große Bilder möglich ist, das Grauen des Krieges erfahrbar zu machen, zeigen zwei Klassiker, die wir den beiden letzten Filmen zum Thema gegenüberstellen wollen. Lewis Milestone hat sich bereits 1930 mit “Im Westen nichts Neues” des Themas angenommen und der anfänglichen Kriegs-Euphorie die große Sprachlosigkeit am Ende entgegengesetzt: “Wir haben so viel zu sagen, und wir werden es niemals sagen.” zitiert er aus Erich Maria Remarques gleichnamigen Roman. Der zweite Klassiker ist natürlich Stanley Kubricks “Wege zum Ruhm”, dessen geometrische Brillanz und pazifistische Größe das barbarische Geschehen eher von der intellektuellen Seite beleuchtet.

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